Formneuheiten
Drei auf einen Streich = 5
Mit dem DKW Coupé hatte WIKING vor ein paar Jahren die Akzeptanz bei den Sammlern getestet. Wird ein nachträglich aufgeschnittenes Modell, ergänzt um Cabrio-Bauteile anderer Modelle angenommen? Der Zuspruch war groß, so dass man sich entschied den VW Karmann Ghia nachzulegen. Hier wollte aber keine der Scheiben anderer Modelle so richtig zum VW passen. Damit die grobe Annäherung an Vorbildfahrzeuge passt, musste eine neue Form für die Scheibe her. 
Und wenn man schon eine Form baut, dann kann diese auch mehrere Nester haben. Um den Formbau und die Investition möglichst gut zu nutzen, wurden Vorbildfahrzeuge recherchiert, die man mit Modellen aus dem Formenbestand nachbilden kann. Also kommen ab diesem Jahr noch mehr Coupé-Modelle unter das Messer – und passende Frontscheiben. Diese Modelle haben ebenfalls den Sammlernerv geroffen. Trotz optimistisch geplanter Auflage waren Opel und Ford binnen weniger Tage ausverkauft.
Gleich drei neue Cabrio-Modelle, wie sie in Nürnberg vor ca. 3 Monaten angekündigt wurden, liefert WIKING passend zum Frühlingsanfang aus. Dach auf, Sonne rein. Mit dem Trio sind dann mittlerweile fünf Coupé-Modelle aufgeschnitten worden. Analog zu den Vorbildern. Denn auch die offenen Versionen des Opel Rekord P1, des DKW Junior und des Ford 17M wurden einst von Karosseriebauern in Einzelanfertigung aufwändig aus in der Regel neuen Fahrzeugen hergestellt. An diese kostspieligen Vorbildfahrzeuge der 1960er-Jahre erinnert WIKING nun mit den daran angelehnten Varianten der Altmodelle. Fortsetzung folgt.
0080.38 – Opel Rekord P1 ’57 Cabriolet
Sehr stimmig und gelungen ist das Opel Rekord Cabriolet. Ganz in schwarz steht der große Opel vor dem Betrachter. Ungewohnter Anblick eines doch so vertrauten Modells. Das Altmodell der Mittelklasse-Limousine, von 1959 bis 1965 erstmals im Programm, kommt nach fast 70 Jahren zu neuem Glanz. Und wird noch einmal Formneuheit.
Neu ist für diese Version des Opel nur die gebogene Panoramascheibe mit den seitlich angesetzten Aufstellfenstern. Ein für das Vorbild formgebendes Detail, was dem Zeitgeist im Karosseriebau Rechnung trug. Zu der Standardeinrichtung kommt noch das Verdeck des MB 280 SE Cabrio (0153) dazu. Frontscheibe und Verdeck überdecken die Schnittkanten an A- und C-Säule. Spannend, mit wenig Bauteilen man einem völlig anderes Modell erschaffen kann.
Na gut, es braucht auch noch ein paar optische Anreize. Die schwarz lackierte, und mit Klarlack-Finishing veredelte Karosserie bekommt silbern bedruckte Zierlinien und Türgriffe. Der Grill ist silbern gerahmt, bei dieser Version hat man sich gegen eine Silberung des „Haifischmauls“ entschieden. Die geprägten OPEL-Lettern heben sich wie der Opel-Blitz edel silbern von der mächtigen Fronthaube ab. Am Heck gibt es einen feinen Rekord-Schriftzug. Die Riffelkappenräder haben Weißwandringe bekommen. Rote Rückleuchten, gesilberte Leuchten und orange bemalte Blinker vorne runden das Bemalungspaket ab.
0121.03 – DKW Junior Cabriolet
Der himmelblaue DKW Junior ist ein Nachrücker im aktuellen Cabrio-Quintett. Er rückte aus der zweiten Reihe nach vorne. Die angedachte offene Version des MB 350 SL wurde zurückgestellt. Denn hier braucht es mehr als eine neue Scheibe, um eine vorbildnahe Version auf die Räder zu stellen. Nur mit neuer Einrichtung oder einen pfiffigen Verdeckbauteil lässt sich der Verdeckkasten beim in Großserie hergestellten Vorbild nachbilden.
Beim DKW kommt man auch mit den Standardbauteilen näher an wenigen handgemachten Vorbilder seiner Zeit heran. Die schwarz Einrichtung spendiert der VW 1200 Brezel-Käfer. Das schwarze Verdeck der offene Porsche 911. Auch hier gilt: Dach abknipsen, Schnittstellen glätten und Karosserie lackieren. Ein Klarlack-Finishing wertet auch hier das Modell auf. Fertig ist der offene Junior.
Drucke und Bemalung werten das Modell aus Formen von 1961 zusätzlich auf. Silberner Grill mit staubgrau aufgedruckten Ringen, gesilberte Zierlinien und Türgriffe. Dazu ein Auto Union Schriftzug an der Fronthaube. Bemalte Scheinwerfer und und rote Rückleuchten waren schon vor über 60 Jahren Standard, sind heute genauso ein Muss. Die hellbeige Wiederauflage des Klassikers von 2004 (aus Set 0990.39) wirkt neben dem offenen Schwestermodell wie ein graues Mäuschen.
0200.04 – Ford 17m Cabriolet
Der Dritte im Bunde ist der Ford 17m, dem eine offene Wiederauflage vergönnt ist. Mit unschuldig weißer Karosserie und Klarlack-Finishing, die mit schwarzer Einrichtung und gleichfarbigem Verdeck kombiniert wird, fährt auch dieser als Formneuheit vor. Die im Volksmund Badewanne genannte Limousine aus Köln wird zur offenen Frischluft-Wanne.
Zwischen die Streben am alusilbernen Chassis passte die Inneneinrichtung des Porsche 911 (0160). Der Oldtimer hat somit andere Sitze mit Kopfstützen bekommen. Safety first. Das Verdeck wurde auch hier vom MB 280 SE Cabrio (0153) verwendet. Der Ford rollt auf den Rädern mit der Standardfelge, die Reifen haben eine Weißwandbedruckung erhalten.
Beim Bedruckungspaket gibt es keine Überraschungen. Die Druck- und Bemalungsdetails der letzten Wiederauflagen kommen auch hier zur Anwendung. Silberner Grill, bemalte Scheinwerfer, Rückleuchten und Blinker. Die Türgriffe sind silbern abgesetzt. Taunus-Schriftzüge an den Seiten und am Heck, 17m-Schriftzug am Heckdeckel und das stilisierte Kölner Wappen an den Kotflügel sind hier zu nennen.
Farbvarianten
0071.46 – Opel Rekord ’60 Caravan „Opel Schnelldienst“
Was beim Umbau zum Cabrio klappt, geht auch beim Kombiwagen. Aus einem Familien-Caravan wird so im Handumdrehen ein Lieferwagen. Die C-Säule sauber herausgetrennt, die Karosserie pastellblau lackiert. Um die verblechten Seitenfenster und das Heckfenster darstellen zu können, wurde die Verglasung bedruckt. Fertig ist der Schnelllieferwagen im Opel-Dienst.
In Anlehnung an ein Vorbild wurde der Rekord Caravan zum Schnelldienst für den Opel-Service. Ein verkehrsblauer Schnelldienst-Schriftzug und das zeitgenössische, dreifarbige Opel-Logo wurden auf die pastellblauen Seitenbleche gedruckt. Der kleine Werkstattwagen bietet im Ladebereich ausreichend Platz für die wichtigsten Ersatzteile, um einen liegengebliebenen Opel vor Ort wieder flott zu bekommen.
Die silbergraue Inneneinrichtung ist durch die topazgetönte Verglasung zu erkennen. Der Kühlgrill mit Opel-Logo ist silbern bemalt. Opel-Schriftzug, die Türgriffe und der Heckklappengriff sind silbern bedruckt. Seitlich ziert der silberne Olympia-Schriftzug die Karosserie. Bemalte Scheinwerfer und Rückleuchten runden das Bemalungspaket ab. Seitlich zeitgenössisches Opel-Logo und verkehrsblauer.
0180.01 – Borgward Arabella
ie der DKW Junior erschien auch die Borgward Arabella in der noch jungen Ära der verglasten Modelle 1961 bei WIKING im Serienprogramm. Das kleine Sport-Coupé entsprach dem Zeitgeist. Mit Heckflosse, geschwungenen Zierlinien und einer Panoramaheckscheibe. Als Lloyd Arabella 1959 gestartet, wurden die späteren Fahrzeuge in der de Luxe-Version auch als Borgward vermarktet.
Bei WIKING erschien das Modell im Konkursjahr von Borgward, verschwand dann auch schnell 1965 aus dem Programm. Nach den ersten Wiederauflagen seit 1999 kommt die kleine Arabella nun ganz groß raus. Der Bedruckungsumfang wurde noch einmal deutlich erweitert. Zunächst gab es zum silbernen Grill nur silberne Zierlinien, wie beim letzten Serienmodell von 2009. Das war noch historisches Ladegut auf einem MB G-Modell-Gespann (0097.39), unten im Bild.
Nach über 60 Jahren ist die Arabella nun als Einzelmodell zurück im Programm. Knalliges Karminrot trägt die Karosserie. Das Dach ist erstmals farbabweichend schwarz bedruckt. Neu ist auch das im nun platingrau bedruckten Grill silbern aufgedruckte Borgward-Logo. Der Schriftzug ist darüber auf der Fronthaube aufgedruckt. Dazu die gesilberten Fensterrahmen an den Seiten. Ganz im Zeitgeist sind auch die Räder mit silbernen Felgen und Weißwandoptik gestaltet.
0604.03 – Unimog U 1700 TOTAL Pulverlöschfahrzeug
Mit dem Unimog U 1700 Pulverlöschfahrzeug hat WIKING den Unimog-Sammlern und Feuerwehrfreunden offensichtlich eine große Freude gemacht. Denn binnen Tagen war die neue Bauteilkombination aus Unimog Fahrgestell und Total-Aufbau vergriffen. Für das in Anlehnung an ein Vorbildfahrzeug hergestellte Löschfahrzeug wurde die Unimog-Kabine für die Einsatzfahrzeuge verwendet. Der integrierte Grill, Türgriffe und die seitlichen Lüftergitter wurden schwarz bedruckt. Es gibt den bekannten Suchscheinwerfer vor der Frontscheibe, die Blaulicher sind in den integrierten Sockel eingesteckt.
Stoßstangenelement vorne und Kotflügel hinten wurden weiß ausgeführt. Zusammen mit dem Tankaufbau wurde alles auf einem schwarzen Fahrgestell aufgesetzt. Der Tankaufbau musst dafür wie beim Opel Blitz (0604.02) wieder nachbearbeitet werden. Für den Unimog U 404 konzipiert sind Kotflügel am Aufbau angeformt. Diese müssen auch für den U 1700 entfallen. Mit einer Distanzplatte sitzt der Pulvertank mit TOTAL-Aufdruck auf dem Fahrgestell auf.
Da der Unimog schon einen Suchscheinwerfer an der Front hat, wurde die Aufnahme am Aufbau verschlossen. Überraschend wurde der Unimog abweichend von der Ankündigung mit anderen gummibereiften Rädern ausgeliefert. Nicht mit den bekannten Unimog-Rädern, sondern mit kleineren Rädern aus dem landwirtschaftlichen Modellbereich. Weniger überraschend sind die Silberung von Scheinwerfern, Stern und Schriftzug im Grill und die rot bemalten Rückleuchten.
0847.06 – Opel Rekord A
Wie die Form des Opel Rekord ’60 Caravan (0071) zeigt auch die Altform des Opel Rekord A von 1963 (0088) deutliche Abnutzungsspuren. So entschied man sich bei WIKING 2005 zu einer Neuauflage des Rekord A. Zeitgemäßer Modellbau, eingesetzte Leuchten, feine Detailsprache anstatt nur das Wesentliche zu zeigen, wie es bei Firmengründer Peltzer Prämisse war.
Schon das savannengelbe Premierenmodell hatte eine umfangreiche Bedruckung mit vielen silbernen Zierlinien, Fensterrahmungen und Schriftzügen. 2007 kam die Bedruckung der Dachfläche ergänzend hinzu. Zeitgenössischer Schick waren die vinylbespannten Dächer, die die im Vergleich zu den 50er-Jahren viel klareren Karosserielinien aufwerten sollten. Und mit aufpreispflichtigen Extra hob sich der Besitzer klar erkennbar vom einfachen Einstiegsmodell-Fahrer ab.
Weiße Fahrzeuge waren damals angesagt. Und so wählt WIKING für diese Wiederauflage eine klassisch schöne schwarze-weiß Kombination. Das schwarze aufgedruckte Vinyldach hebt sich klar von der weißen Karosserie ab. Dazu eine signalrote Inneneinrichtung mit schwarz eingesetztem Lenkrad. Mehr Kontrast, mehr 60er-Jahre-Eleganz geht nicht. In bekannter Machart sind die silbern lackieren Bauteile Kühlergrill und Stoßstangen eingesetzt. Scheibenrahmen, Zierleisten und Türgriffe wurden silbern bedruckt. Zu den Opel-Logos wurden Opel- und Rekord-Schriftzüge am Heck und den Seiten aufgedruckt.
1120.01 – Landhaus „Schwedenhaus“
Das Landhaus ist zurück im Programm. Eines der ersten WIKING Modelle, wie einst fertig montiert. Aber ganz neu gestaltet. Das Landhaus erschien 1948 als Ergänzung zu dem ersten Verkehrsmodellen. Noch unverglast mit feststehenden Drahtachsen rollten die Kids von damals die Autos vor das Haus und darum herum. Die Wände zunächst glatt, später mit rauher Oberfläche, einen Rauputz nachbildend.
Zwei Wiederauflagen gab es vom Landhaus bereits. Als Bausätze, 2013 im Set als elfenbeinfarbenes Fertighaus (→ 0990.85), 2018 als Bürogebäude für die ASG-Spedition (→ 0990.94). Für die erstmalige Wiederauflage als Einzelmodell nach über 70 Jahren hat man sich in Lüdenscheid etwas besonderes einfallen lassen. Die weißen Wandbauteile wurden dunkelrotbraun bedruckt. Damit eine Holzoptik nachgebildet, was an die Bauart der skandinavischen Häuser erinnert.
Das Landhaus wird so zum Ferienhaus im schwedischen Stil. Die Fensterrahmen heben sich durch die Bedruckung klar von der Wandfläche ab. Auf einem grasgrünen Sockel sind die Wände aufgeklebt. Das korallenrote Dach, erstmals mit feiner Bedruckung zur Nachbildung einer Schindelbedachung mit Patina, ist allerdings abnehmbar, ermöglicht so die Möblierung des Hauses. Passende Möbel gab es in türkisblauer Farbgebung beim Chevrolet Möbelwagen (→ 0521.02) oder auch in roter Farbgebung solange der Vorrat reicht bei → Lechtoys für 8,50 Euro.
1140.05 – Garage zum Schwedenhaus
Die passende Garage liefert WIKING hingegen optional direkt mit. Ebenfalls als Fertigmodell. Mit beweglichem braunrotem Tor. Fast so wie es bis 1972 der Fall war, nur schöner. Denn optisch ist die Garage, die 1950 erstmals verkauft wurde, an das Landhaus angepasst. Ebenfalls mit aufgedruckter Holzoptik. Das Dach ist bei der Garage schiefergrau ausgeführt, um einem Bitumenbedachung zu suggerieren. Die Bodenplatte ist wie beim Haus gelbgrün ausgeführt.
Die Garage aus der unverglasten Ära ist etwas zu schmal als Doppelgarage, für eine Einzelgarage zu breit. Beim damals gewählten Vorbild war vermutlich noch Platz für Fahrräder oder ein Motorrad vorgesehen? Oder eine Werkbank. Wir werden es nicht mehr erfahren, können den Platz aber gut nutzen, um einen schwedischen Klassiker artgerecht darin unterzubringen. Volvo oder Saab? Egal, passen beide zu dem zeitlosen Ensemble aus Landhaus und Garage.
Wer liefert die passenden Möbel für das Haus? Stilvoll nordisch von Ikea oder Akso? Oder fährt der bei Haus beschriebene Chevrolet Umzugwagen mit türkisen Möbeln vor? Alles Geschmackssache, wie man die Vitrine mit dem gelungen Schwedenhaus, passender Garage Bäumen, Fahrzeugen oder Möbeln gestaltet.
Schnelldreher mit Schnelldienst
Dass über 50 % der Neuheiten binnen weniger Tage nicht nur werkseitig sondern auch bei den Händlern vergriffen sind, ist lange nicht – wenn überhaupt schon einmal – vorgekommen. Geschmack der Sammelnden voll getroffen. Die Auflagenhöhe gut oder vielleicht sogar etwas zu knapp eingeschätzt? Aber, Meinung, so ist es für alle Beteiligten inkl. der Sammler ein Erfolg. Allen wird ein schneller Abverkauf lieber sein, als Lagerware zum reduzierten Preis abgegeben zu müssen. Und Sammelnde werden künftig schneller zugreifen müssen, wenn ein Modell gefällt. So hat man länger Freude am Modell.

















